Heute wieder ein Eindruck aus dem Buch. Da vielen der Teil zu Klara am Besten gefallen hat, gibts hier die Fortsetzung dazu. Tatsächlich erinnere ich mich noch sehr gut an diese gesamte Geschichte, und einiges wird wohl noch viele zum Schmunzeln bringen. Über Kommentare und eigene Erfahrungen freue ich mich wie immer.
Virtual Life kann auch ein wenig ins Real Life münden, uns so traf ich sie an jenem schneebedeckten Winterabend im tiefsten Unterfranken.
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Auf der linken Seite sieht man kleine Banken, dort hab ich mich mit ihr einige Zeit aufgehalten. Coburg ist wirklich winzig, und der Weihnachtsmarkt hatte kaum was, außer Glühwein *__* Zum ersten Treffen will ihr Vater mich vorher ausgiebig "begutachten", so lässt sie es mich in einer kurzen SMS wissen. Nunja, Standard halt. Die Zugfahrt zieht sich in die Länge. Zunächst fahre ich nach Frankfurt, steige dort um und fahre nach Würzburg. Ich stelle fest, dass ich diesen Ort wiedersehen werde. Dort steige ich wiederrum in die Regionalbahn nach Bamberg um, um schließlich in die Regionalbahn nach Coburg umzusteigen. Das sind 4 verdammte Stunden Zugfahrt für ein 14 jähriges Mädchen. Naja, was macht man nicht alles im Gefühlsrausch. Ich komme also in Coburg an. Im Reinfahren sehe ich sie bereits an der Treppe zum Ausgang stehen. Sie sieht aus, wie auf den Fotos, die sie mir zukommen ließ. Lange brünette Haare, eine recht sportliche Figur, und für 14 Jahre schon relativ reif. Sie ist recht groß. Daneben ihr Vater, ein recht schmächtiger Kerl mit Schnurrbart und einer Kippe im Mund. Ich habe ihr etwas mitgebracht. Das tut man einfach. Sind ja höflich, wir Menschen. Ich gebe zuerst ihm die Hand. "Hallo, Dedrui", grüßt er. Oh Mann. Das ist doch nicht sein Ernst. Er begrüßt mich mit meinem ingame Namen. Und ich dachte immer, ich sei süchtig. Ich umarme sie. Sie sagt nichts. Wir laufen langsam in Richtung Innenstadt. Wenn man das so nennen kann, mir kommt es eher wie ein Kuhdorf vor. Sie sagt kaum etwas. Sie wendet sich immer an ihren Vater, und schaut mich nicht mal an. Ich könnte schon wieder umdrehen. Gut gut, wir erreichen die Straße, ihr Vater wendet sich an uns: "Ich verlasse euch nun, viel Spaß!". Im Laufschritt eilt er zum Parkplatz und fährt davon. "Das Kino macht erst um 14:00 auf, wir könnten ins Café", sagt sie nun im recht leisen Ton. "Was immer du willst", entgegne ich. Wir machen uns also auf den Weg zum Café. Das ist auch nur eine Straße weiter. Wie klein Coburg doch ist. Wir setzen uns. "Eine Cola bitte", sagt Klara der Bedienung. Oh, sehr einfallsreich. Cola. In einem Café. Ist doch kein Internetcafé. "Für mich auch", sage ich ihm. Naja Bescheidenheit und so weiter. Wir reden. Nicht. Sie sagt garnichts und starrt nur, ja fast schon tot, aus dem Fenster. Irgendwer muss doch anfangen. "Schönes Wetter, nicht wahr?" frage ich. "Mhm ja", entgegnet sie. Welch sagenhafte Konversation. Das nahm dann so seinen Lauf. Wir redeten über Schnee, über das Wetter, über die Sachen, die sie sich vom Weihnachtsmann wünscht, und so weiter. Nicht gerade unterhaltsam, wie man sieht. Zu Weihnachten bekommt sie also ihren WoW Account, den sie aber bereits vorher benutzen darf. Sowas bezahlt man selbst, dachte ich, und wünscht sich dann irgendetwas viel größeres. Einen neuen PC, zum Beispiel. Worüber rede ich mit einem 14-jährigem Mädchen? Ich kannte sie ja kaum, nur ihren Char. "Wie läuft die Schule?", frage ich. "Ähm naja, wir haben jetzt Ferien", antwortet sie. Achso stimmt ja, sowas gibts in Bayern ja auch. Himmel, was bin ich unbeholfen in dieser Situation. Ah, ein Geistesblitz. Ich hab ihr ja etwas mitgebracht. Eine Kette, die ich in Frankfurt gekauft hatte. Ein Herz, mit kleinen Edelsteinen verziert, an einer metallenen Kette, verpackt in einem roten Geschenkkarton. Tatsächlich freut sie sich. Was bekomme ich wohl? Sie gibt mir etwas in Geschenkpapier verpacktes. "Das ist für dich, aber Vorsicht.", sagt sie. Ich packe es aus. Es kommt ein Bild, in einem Bilderrahmen zum Vorschein. 2,50€, das Preisschild ist noch dran. Peinlich. Schwarzweiß-Bild. Okay das akzeptiere ich ja noch, aber sie musste noch lauter Glitzerzeugs drauftun, mit Paint, und noch ein wenig Text. "Hdgdlsmdufiue", steht drauf. Okay, manch eine Abkürzung ist selbstmir zu abstrakt. Entschlüsselt bedeutet es: "Hab dich ganz doll lieb super mega doll und für immer und ewig". Wo ist hier der Notausgang? Zuerst einmal dachte ich, wir seien schon zusammen, oder "zam", wie der Unterfranke sagt. Da kann man das auch in drei einfachen Worten sagen. Aber gut, was wäre ich ohne Geduld. Jedoch erscheint mir diese "Redewendung" oder wie man es nennen will ein wenig, naja, dümmlich? Wir kennen das alle, in den Social Networks im Netz. Da gibts viele kleine Mädels aber auch genug Jungs die "Picz" online stellen und um "Commis" betteln. Dabei stehen dort allerlei niveaulose Dinge wie "Playaa Bitcccchh" oder so. Genauso komme ich mir vor. Nicht zu unrecht. Sie schickte mir mal einen Link zur Seite ihrer "abf", aller besten Freundin, und dort fand ich solche "Playaa Bitch" Fotos wieder. Aber wenn du halt ein Nerd bist, der denkt, dass er sonst nie im Leben wieder eine Chance auf eine Freundin hat, zerstückelst du dein Selbstwertgefühl nunmal, und lässt dich auf alles ein. Noch eine Stunde bis zum Film, in den sie mich zu gehen zwingt. Normalerweise gehe ich doch nicht ins Kino. Teuer, und es gibt genügend andere Möglichkeiten. Es ist Weihnachtszeit, und was zieht mich mehr an, als der Duft von Glühwein und Lebkuchen auf einem Weihnachtsmarkt. Selbst ein Dorf wie Coburg hat einen solchen, und so machen wir uns auf den Weg dorthin. Ich bin angetrunken. Zwei Gläser Cola sind schon deftig. Ich reiße mir also endlich mal ihre Hand an mich. "Gib her!", befehle ich. Sie lächelt mild. Okay, ein erstes Erfolgserlebnis. Ich freue mich tatsächlich ein wenig. [...]
